Illustrationsbild zu Hintergrund. Personaler liest freudig in einer Bewerbungsmappe. Copyright Contrastwerkstatt/Fotolia.
Keine Frage: Der Arbeitsmarkt ist im Jahr 2017 entspannt wie zuletzt 1991. Fast scheint es, als müssten Bewerber offene Türen einrennen, doch abgesehen von einigen Branchen ist dem nicht so. In aller Regel ist Bewerben ein aufwendiger Prozess, bei dem das Scheitern die Regel ist.

Nur 12 Prozent der Bewerbungen ziehen eine Einladung ins Vorstellungsgespräch nach sich. Und nur ein Fünftel der Job-Interviews führt zu Einstellungszusagen, so eine Studie des Staufenbiel-Instituts. Auf der anderen Seite suchen Unternehmen oft händeringend nach den passenden Bewerbern. Es scheint, ob Arbeitgeber und Arbeitnehmer aneinander vorbeilaufen.

Oft genug liegt das nicht nur daran, dass die Erwartungen beider Seiten konträrer nicht sein können. Der Erfolgsautor Richard Nelson Bolles konstatiert in seinem Buch „Durchstarten zum Traumjob“: Wo Bewerber so schnell wie möglich eine Einstellungszusage erwarten, möchten sich Arbeitgeber erst dann festlegen, wenn alle möglichen Bedenken ausgeräumt sind. Und beide Seiten erwarten von der jeweils anderen den ersten Schritt.

Hinzu kommt oft Unkenntnis. Unkenntnis über Bewerbungsstandards, über Möglichkeiten der Stellensuche jenseits von Zeitungen und Online-Börsen und den Arbeitsmarkt im Allgemeinen. Doch gerade der befindet sich im größten Umbruch seit der industriellen Revolution.

Die Digitalisierung hat den Weg in die Wissensgesellschaft eingeläutet und Prozesse globalisiert. Arbeitsplätze wechseln das Land oder verschwinden, ganze Berufsfelder sterben aus oder wandeln sich grundlegend.

Die Ursachen dafür sind immer gleich: Die Herstellung von Waren und oft auch das Erbringen von Dienstleistungen ist anderswo günstiger möglich. Tim Ferriss etwa lässt seine Recherchen auf dem indischen Subkontinent durchführen. Das funktioniert nicht nur, weil Englisch Weltsprache ist: Auch Deutsch ist verbreitet genug, um Texte und Übersetzungen in Billiglohnländern fertigen zu lassen.

Erhalten bleiben nur Tätigkeiten, die hoch spezialisiert sind, Expertenkenntnisse verlangen, direkt am Menschen verrichtet werden müssen oder für Maschinen (noch) zu komplex sind. Doch die Entwicklung schreitet rapide voran. Und spätestens dort, wo es nur um einfachste Handarbeiten – oder den Druck aufs berühmte Knöpfchen – ausreichen, ist die globale Konkurrenz groß.

Hinzu kommt eine steigende Komplexität der Anforderungen, die fast jedes Berufsfeld verändert hat – und weiter verändern wird. Fundierte EDV-Kenntnisse werden mittlerweile in fast jeder Branche erwartet, und angesichts der Internationalisierung werden Sprachen und interkulturelle Kompetenzen rapide an Bedeutung gewinnen. Dies gilt gerade auch für alle jene Tätigkeiten, die der digitale Wandel neu geschaffen hat.

Manche von ihnen werden bleiben, andere schnell wieder verschwinden. Manchmal sogar, bevor sie als Job-Option ins Bewusstsein rücken. Dabei bieten gerade diese neuen, noch wenig reglementierten Tätigkeiten Perspektiven für Menschen, die sich neu orientieren wollen – oder müssen.

Zunehmend wichtig wird deswegen die Fähigkeit, diesen Entwicklungen proaktiv zu begegnen. Die Bewegungen am Arbeitsmarkt im Auge zu behalten, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Sich den verändernden Anforderungen anzupassen, seine Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.

Dass Arbeit eine mühselige Plage sei, die im Schweiße des Angesichts erledigt werden muss, ist ein Märchen aus längst vergangener Zeit. Im Zuge des Wertewandels ist für viele die Trennung zwischen Job (zwecks Gelderwerb) und Leben (zum Ausleben der Bedürfnisse und Interessen) obsolet geworden.erwarten immer mehr Menschen, dass Ihre tägliche Arbeit integraler Bestandteil des gelingenden Lebens ist.

Infolgedessen sind nicht nur die Ansprüche an Arbeitsplätze gestiegen, sondern auch Veränderungen im Lebenszyklus unterworfen. Was kurz nach Ende von Ausbildung oder Studium den eigenen Bedürfnissen entsprecht, tut dies mitnichten noch zehn Jahre später, wenn die Ansprüche des Nachwuchses und die Karrierepläne von Partnerin oder Partner in die eigene Planung mit einbezogen werden muss. Weitere zehn Jahre später sieht dieses Bild wieder anders aus – und so weiter.

Dem müssen sich Arbeitgeber stellen. Längst werden Unternehmen danach bewertet, wie viele Freiräume sie bieten, wie sie Familie und Beruf vereinbar machen, welche Freiräume sie für die eigene Entwicklung bieten. Aber natürlich auch, wie das Arbeitsklima aussieht. Was sie tun, um die Mitarbeiter bei Laune zu halten. Nur, wer die Erwartungen der begehrten Fachkräfte erfüllt, kann sie erfolgreich ins Unternehmen locken – und darin halten.

In dieser Floskel steckt viel mehr, als die schlichten Worte vermuten lassen. Wie schwierig die erfolgreiche Umsetzung ist, erleben Stellensuchende tagtäglich – manche verzweifeln daran. Denn trotz des offensichtlichen Geburtenrückgangs und mancherorts tatsächlich existierenden Fachkräftemangels sind angesichts abwandernder Jobs oder veränderter Erwartungen immer mehr Menschen gleichzeitig auf Jobsuche – gerade, weil die Bedingungen für eine positive Entwicklung gerad günstig sind.

Aus diesem Grund erhalten Unternehmen weiterhin deutlich mehr Bewerbungen auf Ausschreibungen, als sie tatsächlich Mitarbeiter einstellen können. Dazu kommen oft hunderte von Initiativbewerbungen, deren Nutzen als probates Mittel zur Erschließung des verdeckten Arbeitsmarkts – oder einfach zur Prüfung des eigenen Marktwerts – sich längst herumgesprochen hat. Denn immer mehr Unternehmer und Bewerber nutzen die Möglichkeiten virtueller und realer Kontaktnetzwerke, um miteinander ins Geschäft zu kommen.

Hier kommt es darauf an, die richtigen Kanäle zu kennen, passende Strategien zu entwickeln – und proaktiv zu handeln. Wie eigentlich grundsätzlich beim Bewerben. In erster Linie geht es ums Auffallen, um aus der Masse herauszustechen. Wohlgemerkt: ums positiv Auffallen, Aufmerksamkeit und Wohlfallen zu erzeugen. Und nicht etwa, sich marktschreierisch als größtes Ereignis unter der Sonne zu preisen. Sich dann als die passende Besetzung, das fehlende Glied zu erweisen.

Wie bei der Braut-(oder Bräutigam-)Werbung geht es darum, die Gunst des Personalers zu gewinnen, seine Sympathie ebenso wie Neugierde zu wecken. Ihm zu zeigen, was man für sein Unternehmen tun kann, und dass der Job nicht nur eine flüchtige Affäre ist. Alle möglichen Bedenken proaktiv ausräumen, eine überzeugende Arbeitsprobe abliefern und ihn davon zu überzeugen, dass die Entscheidung für Sie die richtige ist.

Um das zu schaffen, müssen Sie ihn natürlich kennen. Deswegen setzt eine erfolgreiche Bewerbung eine Marktanalyse voraus. Und die genaue Kenntnis, was Sie zu bieten haben (Ihre eigenen Erwartungen sollten Sie natürlich ebenfalls kennen…). Ergebnis ist Ihre individuelle Bewerbungsstrategie, die Erfolg versprechende Markteintrittswege bündelt – und so die Blaupause für Ihre Aktivitäten bildet.

Auf dieser Basis entstehen überzeugende Auftritte: Bei Arbeitgeberkontakten, in den Bewerbungsunterlagen, und letztendlich im Vorstellungsgespräch.

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